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Der Wertpapiermarkt während der Coronakrise: Ein komplexes soziales System (…wieder einmal)

Die letzten Wochen an den Wertpapiermärkten haben es in sich gehabt. Bis Ende Februar blickten die Anleger noch entspannt konstruktiv in die Zukunft. In nur drei Wochen wechselte dann das Börsenklima in totale Kapitulation. Damit zeigt sich einmal mehr, dass es an den Finanzmärkten immer wieder Phasen gibt, in denen das rationale Verhalten aller Marktteilnehmer Utopie ist.

In solchen Marktphasen ähnelt das menschliche Verhalten eher einer „Black Box“. Psychologen, wie der Nobelpreisträger Daniel Kahnemann, legten schon vor über 20 Jahren spannende Ergebnisse diverser psychologischer Tests und Experimente vor, die starke Zweifel an der Rationalität menschlichen Informations- und Entscheidungsverhaltens nahelegten. Der Prozess der Interpretation von Informationen verläuft dann offensichtlich nicht mehr objektiv, sondern abhängig von Inhalten, die in jedem Gehirn bereits individuell verankert sind. Das Unterbewusstsein legt fest, welche neue Information jeweils mit welchem Wissensbestand verknüpft wird und welche Vorstellung dann für den Entscheidungsprozess herangezogen wird.

Verschiedene Studien aus der Vergangenheit belegen, dass der Finanzmarkt zu ca. 20% von diesen starken Verzerrungen bzw. Übertreibungen geprägt ist und zu ca. 80% rational und weitgehend effizient funktioniert. Denn immer wieder sind die komplexen Systeme wie die Finanzmärkte in der Lage, sich schnell an die neue Realität anzupassen. Das ist auch dieses Mal nach dem Corona-Höhepunkt der Fall gewesen. In nur wenigen Wochen haben die Marktteilnehmer die strukturellen Trends, die für die Zeit nach Corona wahrscheinlich sind, identifiziert. Welche sind das?

·         Das allgemeine Verschuldungsniveau wird am Ende der aktuellen Krise deutlich höher sein. Die Staatsausgaben werden dabei wohl weit über das Jahr 2020 hinaus, auch im historischen Vergleich, hoch bleiben.

·         Finanzrepression: Dieses Instrument wurde im letzten Jahrzehnt bereits in großem Umfang eingesetzt und kommt zur Anwendung, wenn institutionelle Anleger wie Banken, Pensionsfonds und Versicherungen durch Rechtsvorschriften gezwungen werden, Staatsanleihen zu halten, deren Rendite durch Zwangskäufe sowie die Programme der Zentralbanken gemindert wird. Letztendlich werden die niedrigeren Renditen von den Institutionen an konservative Sparer weitergegeben, die schließlich die Last der höheren Verschuldung zusammen mit den Steuerzahlern tragen. Aktien und Unternehmensanleihen könnten aufgrund der relativen Attraktivität erneut profitieren. Gleichwohl verläuft die Entwicklung der Branchen deutlich differenzierter ab als in vielen anderen historischen Marktphasen. Es wird stärker differenziert zwischen fragilen Branchen und immunen Branchen wie z. B. Technologie oder Gesundheit.

·         Anders als 2007 bis 2008, als erst der Immobilienmarkt in den USA stark an Wert verlor und danach auch die Banken in Mitleidenschaft gezogen wurden, was zu einer echten Kreditdeflation mit einer Einschränkung der Kreditvergabe für Unternehmen führte, hat man diesmal sofort mit dem ersten Schock und den ersten fallenden Kursen an der Börse, mehrere Billionen Dollar und Euro in den Finanzmarkt injiziert und das größte Aufkaufprogramm von Staats-, Unternehmens-, Landes- und Kommunalanleihen aufgelegt, das es in der Geschichte der Amerikanischen und Europäischen Notenbank jemals gab. Jegliche Kreditkontraktion, geschweige denn ein deflationärer Schock, wurde damit schon in der Anfangsphase verhindert. Das Anlageumfeld könnte sich daher sukzessive von Deflation zu Inflation wandeln! Gold dürfte nicht nur vor diesem Hintergrund langfristig an Bedeutung bei der Vermögensallokation gewinnen. 

Abschließend verbleibt die Erkenntnis, dass das Anlageumfeld herausfordernder geworden ist, auch weil häufiger auftretende Börsenkorrekturen die Anfälligkeit für irrationale Entscheidungen erhöhen. Als Vermögensverwalter nehmen wir unseren Mandanten u.a. in diesen Situationen die Entscheidungen ab.  Eine aktive Bewirtschaftung des Vermögens incl. einem je nach Markteinschätzung taktischen Anteil an Liquidität, bleibt daher für uns im jetzigen Marktumfeld, neben den langfristigen Investments, ein sinnvoller Anlagebaustein.