Am Kupfer lassen sich mehrere Entwicklungen der globalen Rohstoffmärkte gleichzeitig beobachten. Die weltweite Nachfrage lag 2006 noch bei rund 17 Millionen Tonnen, für 2026 werden 28,7 Millionen Tonnen erwartet. Damit hätte sich der Verbrauch innerhalb von zwei Jahrzehnten um knapp 70 Prozent erhöht. Gleichzeitig wächst die Zahl der Anwendungen, in denen Kupfer wegen seiner elektrischen Leitfähigkeit nur begrenzt ersetzt werden kann – der Rohstoff ist also begehrt und wird es auch bleiben.
Die Aufmerksamkeit richtet sich derzeit häufig auf Künstliche Intelligenz. Rechenzentren benötigen Kupfer unmittelbar für Stromversorgung, Verkabelung und Kühlung. Hinzu kommt der Ausbau der Netze, die den zusätzlichen Strombedarf überhaupt erst ermöglichen. S&P Global beziffert die Kupfernachfrage von Rechenzentren für 2025 auf rund 1,1 Millionen Tonnen. Bei einer weltweiten Nachfrage von etwa 28 Millionen Tonnen entspricht das knapp vier Prozent. Bis 2040 könnten Rechenzentren rund 2,5 Millionen Tonnen benötigen, während der Gesamtmarkt auf etwa 42 Millionen Tonnen wächst. KI entwickelt sich damit zu einem relevanten zusätzlichen Verbraucher, dominiert den Kupfermarkt aber auf absehbare Zeit nicht. Der wesentlich größere Bedarf entsteht aber weiterhin in der klassischen Wirtschaft und durch die Elektrifizierung. Gebäude müssen verkabelt, Netze erweitert und Fahrzeuge elektrifiziert werden. S&P Global erwartet allein aus Energiewende und zusätzlicher Elektrifizierung einen Anstieg der jährlichen Kupfernachfrage von rund 8,5 Millionen Tonnen im Jahr 2025 auf 15,6 Millionen Tonnen im Jahr 2040.
Stromnetze werden zum entscheidenden Verbraucher
Besonders deutlich wird die Größenordnung in China. Der Ausbau von Solar- und Windkraft hat die installierte Erzeugungsleistung dort erheblich erhöht, während das Stromnetz deutlich langsamer gewachsen ist. Zwischen 2009 und 2015 kamen nach Daten von PRC Macro und BMO Capital Markets noch durchschnittlich drei bis vier Kilometer Netz auf zehn Megawatt Erzeugungsleistung. 2025 waren es nur noch 1,1 Kilometer. Der als technisch notwendig betrachtete Bereich liegt bei etwa zwei bis drei Kilometern.
China muss deshalb große Teile seiner Netzstruktur nachrüsten. Die Investitionen der State Grid Corporation stiegen im ersten Quartal 2026 bereits um 43 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Unternehmen steht nach den im Earth-Exploration-Bericht zitierten Daten für ungefähr 17 Prozent des weltweiten Kupferverbrauchs. Steigt das Investitionsvolumen eines Abnehmers dieser Größenordnung deutlich, wirkt sich das unmittelbar auf den globalen Markt aus. Der chinesische Fall macht zugleich deutlich, weshalb sich die Kupferstory nicht auf Rechenzentren reduzieren lässt. Zusätzliche Erzeugungskapazität besitzt nur begrenzten wirtschaftlichen Wert, wenn Strom nicht zuverlässig transportiert werden kann. Der Ausbau von Windkraft, Solarenergie und konventioneller Erzeugung zieht deshalb Investitionen in Leitungen, Transformatoren und Verteilnetze nach sich. Kupfer bleibt an vielen dieser Stellen ein zentraler Werkstoff.
Die Angebotsseite reagiert langsam
Eine wachsende Nachfrage wäre für sich genommen noch kein überzeugender Investmentcase. Entscheidend ist, ob das Angebot in vergleichbarem Tempo reagieren kann. Neue Minen benötigen lange Entwicklungszeiten. S&P Global kommt in einer aktuellen Untersuchung auf durchschnittlich rund 17,5 Jahre zwischen Entdeckung und Produktionsbeginn. Viele Projekte brauchen erheblich länger, wenn Genehmigungen, Finanzierung oder Infrastruktur Probleme bereiten. Die Zahl großer neuer Entdeckungen ist zudem zurückgegangen. Von den 263 bedeutenden Kupfervorkommen, die S&P Global zwischen 1990 und 2025 erfasst hat, befinden sich 165 noch nicht in Produktion.
Wie aufwendig die Entwicklung neuer Kapazitäten geworden ist, zeigt Vicuña an der Grenze zwischen Argentinien und Chile. Lundin Mining und BHP planen dort einen Minenkomplex, der langfristig zu den weltweit größten Kupferprojekten gehören könnte. Der Produktionsplan sieht erste größere Mengen ab 2030 vor. Bis dahin müssen Milliardenbeträge investiert, Infrastruktur errichtet und technische Risiken beherrscht werden. Auch bei bestehenden Produzenten ist zusätzliche Förderung nicht selbstverständlich. Codelco, der chilenische Staatskonzern und einer der größten Kupferproduzenten der Welt, kämpft mit hoher Verschuldung und einer Produktion, die zuletzt auf den niedrigsten Stand seit Jahrzehnten gefallen ist. Das Unternehmen will stärker auf Profitabilität achten. Hohe Kupferpreise führen deshalb nicht automatisch kurzfristig zu deutlich mehr Angebot.
Knappheit bedeutet noch keine Einbahnstraße
Das positive langfristige Bild darf die zyklischen Risiken des Rohstoffmarktes nicht verdecken. Kupfer reagiert empfindlich auf die Weltkonjunktur, insbesondere auf China. Schwächere Bauaktivität oder rückläufige Industrieproduktion können die Nachfrage über mehrere Quartale belasten. Hohe Preise fördern außerdem Substitution. Bei bestimmten Anwendungen lässt sich Kupfer durch Aluminium ersetzen, vor allem wenn der Kostenvorteil groß genug wird. Auch die Angebotsseite kann überraschen. Bestehende Minen können erweitert werden, Recycling gewinnt an Bedeutung, und höhere Preise verbessern die Wirtschaftlichkeit bislang unrentabler Projekte. S&P Global erwartet, dass sich die Menge des wiederverwerteten Kupfers bis 2040 deutlich erhöht. Selbst unter dieser Annahme könnte jedoch eine erhebliche Lücke zwischen Angebot und Nachfrage bestehen bleiben.
Bei der Auswahl einzelner Unternehmen kommt es deshalb stärker auf die konkrete Kosten- und Projektstruktur an. Produzenten müssen ihre Reserven zu wettbewerbsfähigen Kosten erschließen können. Bei Entwicklern ist entscheidend, wie viel Kapital bis zum Produktionsbeginn noch benötigt wird und welchen politischen sowie regulatorischen Bedingungen ein Projekt unterliegt. Steigende Kupferpreise können bei solchen Unternehmen einen erheblichen Hebel erzeugen, erhöhen aber nicht automatisch die Qualität eines Projekts.
Materials werden Teil des Infrastrukturzyklus
Kupfer steht zugleich für eine breitere Entwicklung im Materials-Sektor. Der Ausbau der Stromversorgung benötigt ebenso Stahl und Aluminium, während Rechenzentren zusätzliche elektrische und bauliche Infrastruktur erfordern. Auch die Modernisierung industrieller Anlagen erhöht den Materialbedarf. Für die Portfolioallokation eröffnet sich damit ein Zugang zum Investitionszyklus, der weiter am Anfang der Wertschöpfungskette liegt als Halbleiter, Software oder Betreiber von Rechenzentren. Materials-Unternehmen bleiben dabei aber zyklischer als viele klassische Qualitätsaktien. Gerade deshalb entscheidet die Auswahl. Produzenten mit wettbewerbsfähigen Kosten und belastbaren Reserven können von einem engeren Markt profitieren, während kapitalintensive Entwicklungsprojekte erheblich stärker auf Verzögerungen und steigende Finanzierungskosten reagieren. Der strukturelle Kupferbedarf verbessert damit die Ausgangslage des Sektors, ersetzt aber nicht die Prüfung des einzelnen Unternehmens.
Bei Rechenzentren steigt die Kupfernachfrage nach Schätzung von S&P Global von rund 1,1 Millionen Tonnen 2025 auf 2,5 Millionen Tonnen 2040. Damit wächst dieser Bereich schnell, während die breite Elektrifizierung weiterhin den größeren Teil des Marktes bestimmt.
Kupfer in vier Zahlen
- 17 Millionen Tonnen: weltweite Kupfernachfrage 2006
- 28,73 Millionen Tonnen: erwartete weltweite Nachfrage 2026
- 42 Millionen Tonnen: von S&P Global erwartete Nachfrage im Jahr 2040
- 10 Millionen Tonnen: mögliche Versorgungslücke im Jahr 2040, falls zusätzliche Projekte und Recycling den Bedarf nicht ausreichend decken