Gold hat im zweiten Quartal deutlich gelitten und ist am 1. Juli unter die Schwelle von 4000 US-Dollar pro Feinunze gefallen. Der Preisrückgang wurde vor allem durch eine restriktivere Auslegung der US-Geldpolitik, steigende Realzinsen und einen festeren US-Dollar ausgelöst. Für ein Asset ohne laufenden Ertrag ist diese Kombination belastend, weil kurzlaufende Staatsanleihen relativ attraktiver werden und der Dollar Goldkäufe außerhalb der USA verteuert. Der Rückgang ist daher zunächst kein ungewöhnliches Ereignis, sondern eine klassische Korrektur nach einer sehr starken Bewegung. Gold verlor im zweiten Quartal mehr als 13 Prozent und steuerte damit auf das schwächste Quartal seit 2013 zu; allein im Juni waren es rund elf Prozent Verlust.
Diese Entwicklung sollte man aber nicht als ein Argument gegen das Edelmetall sehen: Die Korrektur bei Gold ist eher ein Test der Positionsdisziplin. Wer Gold hält, sucht keine laufenden Erträge, sondern Schutz in Zeiten, in denen Geldpolitik und Staatsfinanzen an Vertrauen verlieren oder geopolitische Krisen eskalieren. Gerade deshalb sollte Gold nicht nach der Stimmung eines einzelnen Quartals beurteilt werden. Die taktische Schwäche kann vielmehr ein Anlass sein, Zielquoten zu überprüfen und eine strategische Position wieder zu angemesseneren Preisen aufzubauen.
Die langfristigen Käufergruppen sind weiterhin vorhanden. Zentralbanken haben ihre Goldbestände in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut. Der World Gold Council berichtet, dass die jährlichen Zentralbankkäufe von 2022 bis 2024 jeweils über 1.000 Tonnen lagen; 2025 blieben sie mit 863,3 Tonnen weiterhin hoch. Besonders relevant ist die Erwartungshaltung: In der jüngsten Befragung des World Gold Council rechneten 45 Prozent der teilnehmenden Zentralbanken damit, die eigenen Goldreserven in den nächsten zwölf Monaten zu erhöhen.
Hinzu kommt der fiskalische Hintergrund. Viele westliche Staaten tragen hohe Schuldenstände, während die Märkte zugleich erwarten, dass Notenbanken Inflation kontrollieren und Wachstum nicht abwürgen. Daraus entsteht ein Spannungsfeld, das Gold langfristig stützt: Je stärker die Tragfähigkeit öffentlicher Haushalte infrage steht, desto wichtiger wird ein Vermögenswert, der keine Verbindlichkeit eines Staates oder Unternehmens ist. Der aktuelle Gegenwind durch höhere Realzinsen kann deshalb anhalten, er beseitigt aber nicht die Gründe, aus denen Gold in strategischen Portfolios gehalten wird. Auch Banken beurteilen die Schwächephase unterschiedlich. Einige Häuser haben ihre kurzfristigen Prognosen gesenkt, weil der US-Dollar stärker blieb und die Zinserwartungen ungünstiger wurden. Andere bleiben konstruktiv. Die UBS beispielsweise erwartet auf Sicht von zwölf Monaten wieder deutlich höhere Goldpreise und verweist auf mögliche Zinssenkungen, einen schwächeren Dollar und anhaltende Zentralbanknachfrage. Goldman Sachs und Citi halten in ihren längerfristigen Einschätzungen ebenfalls an höheren Zielniveaus fest, auch wenn kurzfristige Schwäche möglich bleibt.
Für die Asset Allocation heißt das, dass Gold nicht als kurzfristige Wette auf den nächsten Zinsschritt betrachtet werden sollte. Sinnvoller ist eine definierte strategische Quote, die bei Übertreibungen reduziert und nach deutlichen Korrekturen wieder aufgebaut werden kann. Wer den jüngsten Rückgang nutzt, kauft damit nicht die Gewissheit einer schnellen Erholung, sondern eine Versicherung gegen Risiken, die in den kommenden Jahren eher größer als kleiner wirken: unsichere Geldpolitik, hohe Staatsschulden, geopolitische Spannungen und Zweifel an der Stabilität einzelner Währungsräume. Gold bleibt damit ein anspruchsvoller, aber unverzichtbarer Portfoliobaustein. Der Preis kann weiter schwanken, wenn Realzinsen steigen oder der US-Dollar fest bleibt. Die Korrektur verändert jedoch die Ausgangslage. Nach der Rallye ist nun Disziplin gefragt, weil der starke Rückgang wieder die strategische Funktion in den Vordergrund rückt.
Von Mirko Kohlbrecher, Prokurist und Vermögensbetreuer bei der Spiekermann & CO AG