INDUSTRIALS: VON DER ENTWICKLUNG DER REALWIRTSCHAFT PROFITIEREN
Automatisierung, Modernisierung und der Umbau zu klimafreundlicher Technik erzeugen über Jahre Investitionsbedarf. Das Segment bleibt zyklisch, kann aber strukturell begünstigt sein, wenn Anbieter Preissetzungsmacht und technisches Know-how verbinden.
Der Sektor Industrials besteht aus Unternehmen, die Maschinen, Ausrüstung, Infrastrukturkomponenten oder industrielle Dienstleistungen herstellen und vertreiben. Mit Anlagenbau, Transporttechnik, Elektrifizierung und Gebäude-technik bilden sie das Rückgrat der Realwirtschaft. Der Sektor profitiert, wenn Unternehmen und Staaten investieren, etwa in Produktionskapazitäten, Datenzentren, Strom- und Verkehrsnetze oder Automatisierung. Das Um- denken nach der Corona-Pandemie, hin zu resilienteren Lieferketten, wirkt für die Branche weiterhin als Katalysator.
Dekarbonisierung und Automatisierung als wichtige strukturelle Impulse
Ein zentraler Treiber ist die Automatisierung. Robotik, Sensorik und industrielle Software erhöhen den Output pro Arbeitsstunde und helfen, den Fachkräftemangel zu kompensieren. Viele Investitionen stabilisieren Qualität und Lieferfähigkeit, etwa durch bessere Steuerung, Wartung und Fehlererkennung. Der zweite strukturelle Impuls liegt in der Dekarbonisierung. Der Umbau von Energie-, Verkehrs- und Gebäudesystemen erfordert Ausgaben für neue Technologien, Infrastruktur und Elektrifizierung. Industrials liefern die Komponenten, die dafür gebraucht werden, von Antriebstechnik über Netzausrüstung bis zu Lösungen für Wärme, Lüftung und Prozessoptimierung. Reindustrialisierung und eine stärkere Regionalisierung von Lieferketten können den Investitionsbedarf stützen, weil Kapazitäten näher an Absatzmärkten aufgebaut werden.
Schematische Darstellung der Neustrukturierung von Lieferketten
Quelle: Spiekermann
Industrials eignen sich als strategischer Baustein
Für die langfristige Qualität des Segments ist die Preissetzungsmacht einzelner Anbieter entscheidend. Globale Champions verfügen häufig über starke Marken, technologische Alleinstellungsmerkmale und eine breite Kundenbasis, und es besteht auch eine Vernetzung mit anderen wichtigen Segmenten. „Industrie 4.0“ beispielsweise ist die Verschmelzung von Industrials mit Technologie. Das bietet einen tieferen Burggraben, stabilere Margen und verlässlichere Cashflows, selbst wenn einzelne Märkte schwächer laufen. Die Herausforderungen liegen in der Zyklik. Investitionsgüter reagieren sensibel auf Abschwünge, hohe Zinsen und verschobene Budgets. Lieferketten bleiben komplex, geopolitische Spannungen und Engpässe können Kosten erhöhen oder Projekte verzögern. Regulierung und Berichtspflichten steigern den Aufwand, zugleich erfordern Klimavorgaben hohe Investitionen entlang der Lieferkette. Auch der Zugang zu qualifiziertem Personal bleibt ein Engpass, während Digitalisierung und Automatisierung parallel umgesetzt werden müssen.
Industrials eignen sich daher als strategischer Baustein, wenn der Fokus auf Qualität, Bilanzstärke und technischer Relevanz liegt. Der Investitionszyklus kann Erträge bringen, auch wenn konjunkturelle Rückgänge zwischenzeitlich die Volatilität erhöhen können.
UNSER KOMMENTAR
Chancen im Segment der Industrials liegen unter anderem bei Anbietern, die von Automatisierung, Elektrifizierung und Effizienzprogrammen profitieren. Dazu zählen Robotik und Sensorik, industrielle Software in klar abgegrenzten Anwendungen, Netzausrüstung, Komponenten für Energie- und Verkehrsinfrastruktur sowie Gebäudetechnik rund um Wärme und Lüftung. Attraktiv sind Geschäftsmodelle mit hohem Serviceanteil, weil Wartung, Ersatzteile und vertraglich gebundene Leistungen Erträge verstetigen können. Bei zyklischen Teilbereichen verbessert eine hohe Auftragsqualität mit langen Laufzeiten, Anzahlungen und geringer Stornierungswahrscheinlichkeit die Planbarkeit, etwa durch langfristige Investitionsprogramme für Netze, Anlagen und Infrastruktur. Reindustrialisierung und die Regionalisierung von Lieferketten können Nachfrage erzeugen, wenn Kapazitäten nah am Absatz aufgebaut werden.
Risiken ergeben sich aus Zins- und Konjunkturabhängigkeit, weil Projekte verschoben werden können, wenn Finanzierungskosten steigen. Lieferkettenstörungen, Handelssanktionen und Rohstoffkosten wirken als zusätzliche Unsicherheiten. Regulatorik und Klimavorgaben erhöhen den Investitionsdruck entlang der Lieferkette. Eine umsetzungs- nahe Auswahl achtet deshalb auf Bilanzstärke, Preissetzungsmacht, Sichtbarkeit im Auftragseingang und Profitabilität.