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Aktien: So profitieren Anleger von einem klugen Strategie-Mix

Von Mirko Kohlbrecher, Investmentstratege bei der Spiekermann & CO AG in Osnabrück

 

Es gibt Anleger, die als eingeschworene Contrarians nur Aktien anfassen, die sonst keiner haben möchte. Momentum-Käufer indes legen sich nur Papiere ins Depot, die immer teurer werden. Und schließlich gibt es die Option, langfristig unterbewertete Titel erst dann zu kaufen, wenn diese mittelfristig Stärke zeigen – ein sehr vielversprechender Ansatz, wie seit 2021 die Kursgewinne im Energiesektor zeigen.

 

Für Anleger gibt es viele Strategien, um Geld zu verdienen – und noch mehr, um es zu verlieren, wie böse Zungen anmerken könnten. Umso wichtiger ist es, die Nachteile einzelner Ansätze durch eine sinnvolle Kombination von Strategien so weit wie möglich auszugleichen. So ist es einerseits auf Sicht von mehreren Jahren von Vorteil, unterbewertete Aktienmärkte und Aktiensegmente zu kaufen. Schließlich weisen diese ein größeres Potenzial auf als Titel, die 40 oder 50 Prozent im Plus stehen. Andererseits können unterbewertete Unternehmen noch weiter an Wert verlieren und das Depot gehörig in Mitleidenschaft ziehen.

 

Günstige Titel dann kaufen, wenn sie relative Stärke zeigen

Doch es gibt eine Lösung für dieses Dilemma. Dabei werden längerfristig unterbewertete Länder, Sektoren oder Einzeltitel dann gekauft, wenn sie beginnen, mittelfristig relative Stärke zu zeigen. Sie wandern also erst ins Depot, wenn sie über eine gewisse Zeit stärker abschneiden als eine Benchmark. Das können der breite Aktienmarkt oder andere Sektoren sein. Ist der Zeitraum, über den die Stärke dieser Assets miteinander verglichen wird, klug genug gewählt, können Anleger auf diese Weise frühzeitig von neuen Trends profitieren. Und das Konzept der relativen Stärke sorgt dafür, dass sie so lange investiert bleiben, wie diese Segmente besser abschneiden.

 

Energie-ETF schlägt den breiten Markt

Schauen wir uns ein Beispiel an. Von Anfang 2012 bis Ende 2020 schlug der breite US-Markt den Energie-Sektor, wie er durch einen bekannten ETF repräsentiert wird, sehr deutlich. Es handelte sich also um eine klare Unterbewertung der Energie-Aktien. Doch dann drehte der Wind, und im Jahr 2021 entwickelte sich der Energie-Sektor doppelt so gut wie der breite Markt. Wer diesem klaren Signal der relativen Stärke weiterhin folgte, konnte sich auch im Folgejahr über reiche Ernte freuen: Von Januar 2022 gewann der Energie-ETF vier Mal so viel wie der S&P 500 verlor. Damit hatte das Konzept der relativen Stärke einmal mehr gezeigt, dass Anleger damit eine sogenannte Über-Rendite erwirtschaften können.

 

Ein Konzept für das gesamte Vermögen?

Als Strategie für einen Teil des Depots ist das Konzept der relativen Stärke zwar gut geeignet. Es taugt aber kaum, um das gesamte Vermögen zu verwalten. Zum einen liefen Anleger so Gefahr, in einem breiten Aufschwung, der quasi alle Sektoren nach oben treibt, etliche Renditetreiber nicht im Depot zu haben. Zum anderen kann ein gut gelaufener Sektor nach einer gewissen Zeit in Ungnade fallen. Dann dreht der Wind dort schneller, als es viele Privatanleger wahrhaben wollen. Wer dann die Signale zum Ausstieg nicht erkennt und umsetzt, erleidet schmerzhafte Verluste.

Übrigens: Als Vermögensverwalter sind wir aus guten fundamentalen Gründen überzeugt, dass die Energie-Unternehmen noch über längere Zeit relative Stärke zeigen oder sich zumindest so gut wie der breite Markt entwickeln werden.

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