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Große Herausforderungen - Unsere wichtigsten Einschätzungen für unruhige Zeiten

Von Mirko Kohlbrecher, Investmentstratege bei der Spiekermann & CO AG in Osnabrück

 

Die vergangenen Wochen waren geprägt von einer weiteren Verfestigung der Themen Krieg, Inflation, Lieferengpässe und Rohstoffknappheit - die langfristigen Herausforderungen in puncto Sicherheit, Globalisierung, Energie und Klima bleiben. Zuversicht sucht man mit der Lupe. Doch wie so oft in Krisenphasen wird es auch Lösungen geben, wo man jetzt nur Probleme sieht. Dieses Mal dürfte es allerdings nicht so schnell gehen, wie nach Corona, weil die Summe an Herausforderungen größer und komplexer ist. Zudem stehen einige Lösungsansätze der Probleme im Konflikt miteinander. Gleichwohl steht außer Zweifel, dass strukturelle Trends vieler Wirtschafts- und Lebensbereiche wie Gesundheit, Digitalisierung oder die Energiewende bestand haben und Unternehmen an diesen entsprechend auch partizipieren werden.

Eine besondere Herausforderung stellte im Jahr 2022 der Rentenmarkt dar. Eigentlich ein Markt, der für geringe Schwankungen und kontinuierliche Erträge steht. Aufgrund des scharfen Zinsanstiegs und der hohen Inflation haben die Anleihenmärkte jedoch in den vergangenen Monaten die größten Rückgänge seit Jahrzehnten erlitten. Die Wertentwicklungen (Summe aus Kursveränderung und Zins) für die wichtigsten Anleihe-Segmente liegen seit Jahresbeginn bei

-5% bis –15%.  Somit konnten Anleihen auch kein Gegengewicht zu den schwachen Aktienmärkten bieten. Nach dieser ausgeprägten und auch schmerzhaften Neubewertung der Anleihen sind die Renditen nun jedoch wesentlich attraktiver geworden. Gleichzeitig blicken Renteninvestoren auf die Rückzahlung des Nominalbetrages und den damit nur temporären Wertrückgängen ihrer Anleihen. Neuanlagen profitieren inzwischen davon, dass selbst gute Emittenten wieder spürbare Zinsen zahlen müssen. Potenzielle künftige Marktschwankungen können somit durch höhere Zinserträge teilweise ausgeglichen werden. Fallende Zinsen würden sogar wieder zu Kursgewinnen führen.

 

Das Jahr 2022 zeigt erneut, wie sinnfrei Prognosen sind. Schwarze Schwäne, also unvorhersehbare Ereignisse, wie der Krieg in der Ukraine oder die drastischen Lockdowns in China sind nicht sicher prognostizierbar. Viel wichtiger als Prognosen für die Orientierung von Anlegern sind daher klare Regeln bei der Geldanlage:

 

Vertrauen Sie auf den langfristigen Aufwärtstrend bei Aktien!

Wenn man sich den langfristigen Chart eines Aktienindex (siehe unten) anschaut, wird deutlich, dass trotz zeitweiliger Einbrüche der langfristige Trend nach oben weist. Selbst längere Korrekturen erscheinen im Rückblick nicht mehr so bedrohlich. Es ist kaum sinnvoll anzunehmen, dass sich dieser Aufwärtstrend bei Aktien grundlegend ändern wird. Schließlich verbriefen Aktien die Teilhabe am Produktivkapital. Und da seit Jahrzehnten global immer mehr Menschen daran mitarbeiten, wächst dieses Kapital weiter.

 

Kennen Sie Ihren Zeithorizont und bleiben Sie dabei!

Wer erfolgreich Geld anlegen will, sollte einen vernünftigen Zeithorizont wählen. Bei einer Anlage mit Schwerpunkt auf Aktien sind mindestens zehn Jahre ein guter Schwellenwert. Das ist vielen Anlegern klar, doch wenn es an den Börsen zu wackeln beginnt, schwenken die meisten zu einer (sehr) kurzfristigen Betrachtung über. Dann zählt, was gestern passierte und morgen wohl geschehen wird. Deshalb: Je länger der Zeithorizont, desto geringer die Risiken.  Beim amerikanischen Aktienmarkt S&P 500 gab es beispielsweise keinen 10-Jahreszeitraum mit negativen Renditen.

 

Korrekturen am Aktienmarkt sind unvermeidlich!

Erinnern Sie sich noch an die Dot.com-Blase im Jahr 2000? Oder an die Finanzkrise im Jahr 2008? Damals dachte man fast, die Welt stehe vor dem Untergang. In der Tat waren das ausgewachsene Bärenmärkte, in denen Anleger große Kurskorrekturen aushalten mussten. Sind sie dabeigeblieben, stehen ihre Depots nun gut im Plus. Wer im Juni 2022 auf einen Chart des DAX schaut, erkennt: Der Index steht inkl. Dividenden höher als vor dem Hoch vor der Finanzkrise. Das Beste ist daher, kleinere oder größere Korrekturen als unvermeidlich hinzunehmen.

 

Ignorieren Sie Nachrichten und Meinungen!

In der aktuellen Gemengelage sind Zeitungen und Online-Portale voller schlechter Nachrichten und düsterer Einschätzungen der Zukunft. Hinzu kommen die unvermeidlichen Marktschreier, die mit reißerischen Untergangs-Prognosen ihren Lebensunterhalt verdienen. Diese Quellen sollte man nicht zu häufig konsumieren, da sie uns in unseren Entscheidungen sonst zu stark beeinflussen. Stressphasen lösen Emotionen in uns aus, diese sind menschlich, jedoch für eine erfolgreiche Anlagestrategie meist kontraproduktiv. Zudem hat die Börse die stark medial verbreiteten Informationen i.d.R. längst verarbeitet.

 

Eine gut diversifizierte Depotstruktur und ein hohes Maß an Investmentqualität ist Voraussetzung für künftige Gewinne

Der aus unserer Sicht wichtigste Schutz gegen das Unbekannte und Korrekturen ist und bleibt eine solide Zusammenstellung des Portfolios. Dies bedeutet selbstverständlich eine globale Aufstellung sicherzustellen. Eine einseitige Aufstellung, wie z.B. das Investieren in nur einem Land oder einer Region, erhöht das Risiko, in eine Schieflage zu gelangen. Nicht nur die regionale Diversifikation, sondern auch die Streuung über mehrere Branchen ist für uns wesentlicher Bestandteil einer robusten Aufstellung. Dabei zielen wir nicht auf eine gleichmäßige Verteilung auf alle Sektoren ab, vielmehr gewichten wir spezifische Sektoren, für die wir das langfristige Risiko-Rendite-Verhältnis am attraktivsten erachten, höher als andere. Neben den Fondsinvestments zielen wir bei der Einzeltitelauswahl der Wertpapiere immer auf eine Qualitätsprüfung ab und berücksichtigen dafür u.a. Bilanzdaten, Finanzkennzahlen und Unternehmensrisiken. Diese Qualität ist wiederum Grundlage, um bei einer Verbesserung der allgemeinen Marktlage auch wieder zu partizipieren.

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