Warum Industrie-Aktien für Anleger nach wie vor attraktiv sind
Mirko Kohlbrecher, Investmentstratege bei der Spiekermann & CO AG in Osnabrück
Denk ich an Deutschlands Wirtschaft in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht – kein Wunder: Die News aus den oberen Konzernetagen sind schlecht, vor allem der Automobilsektor als treibende Kraft leidet. Zudem korrigieren die Volkswirte fast täglich die Konjunkturprognosen nach unten. Gleichwohl bieten Industrie-Aktien aus den USA und Europa Anlegern derzeit gute Chancen – bei einer breiten Streuung über viele Sektoren. Unsere Meinung: Daumen hoch für Industrietitel!
Die Weltwirtschaft steckt in einem tiefgreifenden Wandel: Vielerorts ist die Infrastruktur marode und muss dringend modernisiert werden. Zudem verlangt die Energiewende den Volkswirtschaften große Investitionen ab. Auch werden Produktionsprozesse zunehmend automatisiert, wobei wohl auch Künstliche Intelligenz eine Rolle spielen dürfte. Nicht zuletzt werden Lieferketten neu organisiert und strategisch wichtige Sektoren aus fernen Ländern zurückgeholt. All dies ist nicht ohne leistungsfähige Industrie-Unternehmen machbar, die die Materialien oder Güter für den Wandel herstellen. Wir glauben, dass es sich um einen mittelfristig starken Trend handelt, von dem Anleger profitieren können. Schauen wir uns drei Unternehmen an, die davon profitieren (keine Anlageempfehlung!):
Baumaschinen rollen weltweit
Caterpillar ist ein weltweit führendes US-Unternehmen beim Vertrieb und der Wartung von Bau- und Bergbaumaschinen. Der weltgrößte Hersteller für diese Geräte profitiert sowohl von globalen Infrastrukturprojekten wie auch vom aktuellen Bergbauzyklus, mit dem die nötigen Metalle gefördert werden. Hilfreich ist auch, dass der chinesische Staat derzeit viel Geld in die Wirtschaft pumpt und so neue Projekte anschiebt, bei denen solche Maschinen benötigt werden.
Energiespeicher sind gefragt
Schneider Electric steht als multinationaler Konzern mit Hauptsitz in Frankreich für digitale Automatisierung, wobei das Energiemanagement des Euro Stoxx 50-Mitglieds einen wichtigen Bereich darstellt. Weltweit haben die Regierungen Programme gestartet, um die Energieeffiezienz von Gebäuden und der Industrie zu steigern. Zum Sortiment von Schneider Electric zählen Energiespeicher, Ladetechnik und Energiemanagement-Software.
Untersee-Kabel haben Potenzial
Prysmian profitiert als weltweit größter Kabelhersteller von der weiteren Elektrifizierung der Wirtschaft. Dafür sorgen auch die milliardenhohen Investitionen der Stromnetz-Betreiber in die Energiewende. Und bei Unterseekabeln für den Stromtransport von Off-Shore-Windanlagen aufs Festland – der technisch anspruchsvollste Teil mit der größten Wertschöpfung – hat das Unternehmen mit Hauptsitz in Mailand einen Weltmarkt-Anteil von 40 Prozent.
So setzen wir auf diese Branche
Den Sektor „Industrie“ haben wir vor einem Jahr als vierten Sektor neben Gesundheit, Technologie und Rohstoffen in unserer Allokation übergewichtet. Je nach Mandat haben wir das über entsprechende ETF´s oder aktive Fonds umgesetzt. Die hier genannten Aktien sind nur einzelne Beispiele aus der Allokation. Zum Teil setzen wir gewisse Einzelwerte, i.d.R. die mit einer dynamischeren Chance/Risikoverhältnis auch nur in unseren Fonds um.
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