Gold: Die Edelmetall-Währung hat auch 2025 gute Aussichten
Mirko Kohlbrecher, Investmentstratege bei der Spiekermann & CO AG in Osnabrück
Der Goldpreis verzeichnete im vergangenen Jahr einen bemerkenswerten Anstieg. Sowohl in US-Dollar als auch in Euro wurde ein zweistelliges prozentuales Wachstum erreicht. Viele Anleger fragen sich nun, ob das Edelmetall sie 2025 weiter erfreuen wird oder ob eine ausgeprägte Korrektur bevorsteht. Wir bleiben zuversichtlich – aus drei Gründen.
Kleiner Rückblick: Gold hat in seiner Handelswährung US-Dollar 2011 sein damaliges Allzeithoch von gut 1.900 Dollar erreicht. Dieses Hoch hatte fast 13 Jahre lang Bestand und wurde erst im Frühjahr 2024 dauerhaft überwunden. Dann ging alles sehr schnell: Das Edelmetall erreichte sein jetziges Allzeithoch von knapp 2.800 Dollar in nur wenigen Monaten. Ein solcher explosionsartiger Anstieg ist den meisten Anlegern, die mit der Mechanik und Dynamik der Finanzmärkte nicht vertraut sind, suspekt. Ihre bange Frage: Sollte ich nicht mein Gold verkaufen? Wir meinen: Das sollte man sich sehr gut überlegen.
Statistik: Gold-Bullenmärkte können lange dauern und hohe prozentuale Gewinne erzielen
Da wäre erstens der Blick in die Statistik. Zwar ist die Zahl der Fallbeispiele noch dürftig, weil Gold erst seit 1971 auf dem freien Markt gehandelt werden kann, doch die Aussage ist klar: Wenn der Goldpreis einen starken Anstieg (Bullenmarkt) startet, hält dies über mehrere Jahre bis zu über einem Jahrzehnt an. So ging es von 1971 bis 1980 von den politisch festgelegten 35 Dollar auf 800 Dollar hoch – und der Anstieg von 2000 bis 2011 brachte den Goldpreis von knapp 300 auf 1.900 Dollar. Das Tief vorm jetzigen Anstieg lässt sich 2016 bei 1.060 Dollar verorten. Zwischendurch gab es jedoch auch eine ausgeprägte Seitwärtsphase von 2020 bis 2023. Aus unserer Sicht hat der jetzige Gold-Bullenmarkt zeitlich, aber auch preislich noch Spielraum nach oben, auch weil mit den Notenbanken der Schwellenländer eine starke neue Käufergruppe hinzugekommen ist.
Bewertung: Das Edelmetall ist definitiv nicht überteuert
Aus fundamentaler Perspektive spricht ebenfalls wenig dafür, dass Gold spürbar überbewertet sein könnte! Für die Langfrist-Bewertung des Edelmetalls halten wir die Geldmenge (der Industrieländer) für den am besten geeigneten Parameter, denn Gold und diese Geldmenge bewegen sich über die Jahrzehnte in etwa parallel. Jedoch überschießt der Goldpreis zeitweise und läuft in anderen Phasen der Geldmenge hinterher. Der Vergleich beider Diagramme zeigt: Mit dem jetzigen Anstieg hat der Goldpreis seinen „Rückstand gegenüber der Geldmenge“ eingeholt und läuft nun etwas voraus. Aktuell entspricht das Verhältnis beider Größen etwa jenem von Anfang 2010 – danach legte der Goldpreis bekanntlich noch weiter zu.
Zinsen: Gold zeigt Stärke trotz hoher Zinsen
Der Goldpreis hat sich in den vergangenen ein, zwei Jahren trotz recht hoher Markt- und Leitzinsen nicht nur wacker gehalten, sondern ist sogar deutlich gestiegen. Das ist außergewöhnlich. Zwei Gründe sehen wir dafür: Zum einen scheint das Schema „Höhere Realzinsen im Westen schicken den Goldpreis nach unten“ deswegen nicht mehr zu gelten, weil die Schwellenländer-Notenbanken immer mehr Gold als Währungsreserve kaufen, um unabhängiger vom US-Dollar zu werden. Zum anderen verlangen Anleger im Westen wegen der hohen Inflation zwar höhere Zinsen, sorgen sich aber gleichzeitig wegen der ausufernden Staatsverschuldung. Um sich gegen das Risiko von staatlichen Finanzkrisen abzusichern, setzen auch konservative Anleger zunehmend auf Gold, weil es hier kein Schuldner-Risiko gibt. Schließlich ist das Edelmetall die Währung der letzten Instanz.
weitere Neuigkeiten

Marktkommentar Januar 2026: Trump, Zölle, Polarisierung – Rückblick auf das Jahr 2025
Der Marktkommentar Januar 2026 beschäftigt sich mit dem Fazit und Ausblick 2026.
Ein Jahr mit hoher Ereignisdichte, das die Finanzmärkte sowohl vor strukturelle Herausforderungen als auch vor neue Bewertungsfragen stellte. Geopolitisch markierte der israelisch-iranische Konflikt im Juni einen riskanten Höhepunkt, der jedoch durch diplomatische Bemühungen und eine temporäre Waffenruhe im Gazastreifen wieder in eine fragile Stabilität überführt werden konnte. Parallel dazu trat der Ukraine-Konflikt in eine Phase intensiver diplomatischer Verhandlungen ein. Trotz der anhaltenden militärischen Intensität sorgten Friedenspläne und Gipfeltreffen für eine erste greifbare Perspektive für einen eingefrorenen Konflikt oder eine diplomatische Lösung. In Asien kam es auch zwischen Indien und Pakistan sowie zwischen Kambodscha und Thailand zu kürzeren kriegerischen Auseinandersetzungen. Wenngleich diese Konflikte den Kapitalmarkt beeinflussen, waren es insbesondere die Zollankündigen, die Verschuldung und die KI-Rallye, die den Markt 2025 bestimmten.

Webinar: „Politik im Aufschwung? Wirtschaft in der Warteschleife!" am 27. Januar 2026 ab 18:30 Uhr
Die Politik beschwört den Aufbruch, staatliche Investitionen, steuerliche Entlastungen und erste Reformen sollen das Land wieder auf Kurs bringen. Doch in der Wirtschaft überwiegt Zurückhaltung: geopolitische Unsicherheiten, die anhaltende Transformation vieler Branchen und eine schwache Investitionstätigkeit bremsen die wirtschaftliche Dynamik.
In zwei Impulsvorträgen betrachten unsere Referenten die aktuelle Lage aus politischer und ökonomischer Perspektive und geben Orientierung für Entscheidungen in einem unruhigen Umfeld

KI braucht Strom: Versorger werden zu den „Schaufelverkäufern“ der AI-Ökonomie
Rechenzentren, Cloud und KI treiben den Strombedarf nach oben – in den USA wie in Europa. Wer in KI investiert, kommt an der Energiewirtschaft nicht vorbei. Entscheidend ist das Modell: Skalierung mit langfristigen Abnahmeverträgen oder Systemflexibilität als Industriewerkzeug?
