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Neue Wege zur Ausschüttungsfähigkeit für Stiftungen in einem Umfeld niedriger Zinsen

 

 

Sinkende Zinsen und volatile Märkte stellen Stiftungen vor erhebliche Herausforderungen. Traditionelle Sicherheitsbausteine genügen zunehmend nicht mehr, um nachhaltige und stabile Ausschüttungen zu gewährleisten. Erforderlich ist ein aktiver und professionell gemanagter Anlageansatz, der den Kapitalerhalt sichert, Schwankungen reduziert und die Ausschüttungsfähigkeit an veränderte Rahmenbedingungen anpasst.

 

Von Mirko Kohlbrecher, Prokurist und Vermögensbetreuer bei der Spiekermann & CO AG

 

Wenn es auf zuverlässige Ausschüttungen aus der Kapitalanlage ohne die typischen Schwankungsrisiken ankommt, sind die Zeiten einfacher Antworten vorbei. Daher stehen beispielsweise diejenigen, die für eine Stiftung Verantwortung tragen, vor einem Dilemma: Die vermeintlich sichere Welt des Festgelds bietet keine tragfähige Grundlage mehr, um den Stiftungszweck langfristig zu erfüllen. Angesichts einer schrumpfenden Zinslandschaft müssen viele Stiftungsgremien eine doppelte Herausforderung meistern, nämlich Ausschüttungen zuverlässig generieren und gleichzeitig die Schwankungsbreite des Portfolios begrenzen. Die klassische Sicherheitsorientierung wird damit zur strategischen Gratwanderung und verlangt eine aktive, kompetenzbasierte Vermögensverwaltung.

 

Ein Blick auf die Zinskurven verdeutlicht die Problematik: Nach dem rasanten Anstieg der Leitzinsen zwischen 2022 und 2024 zeigen die aktuellen Entwicklungen klar nach unten. Die Europäische Zentralbank hat mit dem Beginn eines Zinssenkungszyklus einen neuen Kurs eingeschlagen. Festgeldangebote, die vor wenigen Quartalen noch mit nominal über drei Prozent lockten, verlieren bei sinkender Inflation und Laufzeitbindung zunehmend an Relevanz. Was bleibt, ist die Illusion von Stabilität, verbunden mit realer Kaufkraftschwächung und einer unzureichenden Ausschüttungsbasis. Für Stiftungen, die auf regelmäßige Mittel zur Zweckerfüllung angewiesen sind, entsteht so eine gefährliche Schieflage.

 

Dabei entscheidet nicht allein die Höhe der Rendite über den langfristigen Stiftungserfolg, sondern deren Verlässlichkeit bei begrenzter Volatilität. Genau hier beginnt die Notwendigkeit einer aktiven Anlagestrategie: Wer sich auf nominal sichere, aber real erodierende Anlageformen stützt, verpasst nicht nur Renditechancen, sondern riskiert eine strukturelle Unterdeckung der Stiftungsaufgaben. Aktive Vermögensverwaltung bedeutet jedoch keineswegs spekulatives Agieren. Vielmehr geht es darum, mithilfe diversifizierter Strategien, sorgfältiger Titelauswahl und langfristiger Steuerung die Ausschüttungsfähigkeit auch bei zunehmend asymmetrischen Marktbedingungen zu sichern.

 

Dazu gehört die Fähigkeit, unterschiedliche Ertragsquellen zu erschließen und deren Risikoprofil im Portfolio bewusst auszubalancieren. Ein gezielter Einsatz qualitativ hochwertiger Anleihen, dividendenstarker Aktien, Realwertanlagen oder stiftungsgeeigneter Mischfonds kann eine stabile Ertragsbasis schaffen, ohne die Volatilität übermäßig zu steigern. Entscheidend ist die Integration dieser Bausteine in ein strategisches Gesamtkonzept, das sich an der individuellen Satzung, der Risikotragfähigkeit und dem angestrebten Ausschüttungsniveau orientiert. Pauschale Empfehlungen greifen zu kurz – gefragt ist eine fein austarierte Lösung, die auf Erfahrung, Marktzugang und ein belastbares Research-Netzwerk zurückgreift.

 

Auch die Anforderungen an Governance steigen: Transparenz, Nachvollziehbarkeit und dokumentierte Entscheidungen gewinnen zunehmend an Bedeutung, insbesondere bei aktiver Geldanlage. Wer von klassischen Festgeldern abweicht, benötigt sowohl Fachwissen als auch Kommunikationskompetenz im Umgang mit Gremien und Aufsichtsorganen. Eine spezialisierte Vermögensverwaltung kann Stiftungen dabei unterstützen, ethische Aspekte, Marktentwicklungen und Risiken miteinander zu verbinden. Die eigentliche Botschaft lautet deshalb: Gerade in einem Umfeld, in dem sich Sicherheit nicht mehr durch Zinsgarantie, sondern durch Resilienz definiert, wird aktives Management zum Garant für Stiftungskontinuität, denn es trägt zur Stabilisierung der Stiftungsfinanzen in unsicheren Zeiten bei. Die nachhaltige Umsetzung des Stiftungszwecks setzt ein klares, fachlich fundiertes und langfristig ausgerichtetes Anlagekonzept voraus.

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